Erinnerst Du Dich noch daran, wie wir begannen zu spüren, dass alles bald vorbei sein würde? Wir haben’s nicht angesprochen. Nur klammernd vor uns hergestarrt. – Bau mal einen.

Wir sitzen im Park, gleich neben der Schule, und haben beide lange Haare. Knapp hinter uns viele Geschichten, die wir später verklären werden. Ich tue das jetzt schon. Gleich wird T. kommen. Der Kopfhörer in einem Ohr. Wie immer Iron Maiden, Overkill oder so ein Scheiß. Früher hätten wir ihn damit aufgezogen. Man müsse natürlich Slayer hören. Oder irgendwas noch härteres. Hart war wichtig. Mittlerweile bist Du beim Kiffer-HipHop und ich bei Wave, Independent und Alternative, wie man das heutzutage nennt. Und heimlich Pop.
Wir schwänzen Kunst. Logisch. Die peilt das ja eh nicht.
T. kann außerordentlich gut zeichnen. Dafür wurde er in der Klasse zumindest immer restrespektiert. Man war nett, wenn man ein Portrait oder sowas von ihm wollte und mochte ihn dann auch, weil er so unvoreingenommen und entspannt war, beim Zeichnen. Danach war er ziemlich schnell wieder der gute alte Klassenarsch. Nur bei uns beiden war er irgendwie dabei. Ungefähre Musikverwandtschaften. Und erzählen kann er auch gut.
Vorhin gab es Notenbesprechungen. T. schafft die Versetzung knapp. Ich nicht. Keine Oberstufe mit Euch beiden. Sitzenbleiben. In eine neue Klasse kommen. Mich das erste Mal so richtig fürchterlich verlieben und ein unglaublich romantisches Jahr erleben. Aber davon weiß ich jetzt noch nichts.

Veränderung als abstraktes Konzept. Drohend unbekannt im Hintergrund. Diese dumpfe Erkenntnis, dass wir uns dem nächsten Schritt nun doch nicht erwehren können und die ganzen alternativen Vorstellungen naiv waren. Später, viel später, bin ich froh, bei der ersten Durchwürfelei gepatzt zu haben. Und ich behaupte einfach, das sei was instinktives gewesen. Aber es soll ja um uns gehen.

Die Stadt war klein mit schlechtem Image. Drogen, Gewalt und die ganzen ahnungslosen Banker. Bahnhof Zoo spielen an der Konstablerwache, Szene imitieren im Grüneburgpark, die Batschkapp unser cleanes Sound. Unser gefährlicher Dschungel mit Sicherheitsanbindung. Zur Not gingen wir einfach nach Hause. Kaputt war’n wir echt nich, aber wenn wir spät in der dreckig flackernden Station auf die U-Bahn warteten, war’s schon ganz schön geil Iggy Pop. Denn die Mädels mochten unsere Schuhe. Muss lachen.

T. sitzt neben uns. Was er wohl denkt? Und Du schnippst mit der letzten Tüte unsere ausgelebte Welt in den verkackten Spielplatzsand. Schluss mit der Albernheit. Ab und zu werden wir uns vermissen. Aber das alles erst viel später. Macht’s gut. Oberstufe. Krass. Tschö.

Du hast jetzt ein Kind. Vielleicht auch zwei. Ich wohn in Berlin. Schon wieder hinten dran.

Es is gut so, wie es is. Erwachsen, verstehste?